Nachhaltige Bodennutzung


Boden ist nicht erneuerbar oder herstellbar im Zeitraum eines menschlichen Lebens. In der Schweiz wurden zwischen 1985 und 2009 54'000 Hektaren Landwirtschaftsland, eine Fläche in der Grösse des Bodensees, dauerhaft versiegelt. Diese Zahl entspricht einem Quadratmeter Boden pro Sekunde. Trotz der Stärkung des Raumplanungsgesetzes im Jahr 2011 werden weiterhin qualitativ hochwertige Böden zerstört. Infolgedessen nehmen die natürlichen Lebensräume, die landwirtschaftlich nutzbaren Böden sowie die Flächen für Erholung und Freizeit ständig ab. Gleichzeitig ist vielerorts eine kontinuierliche Verschlechterung der Bodenqualität durch Erosion, Verdichtung und Schadstoffeintrag zu beobachten. Angesichts dieser Befunde, müssen die gesetzlichen Grundlagen unbedingt angewandt werden und an Kohärenz gewinnen.

Folgen für Biodiversität, Landschaftsqualität und Ernährungssicherheit

Es sind die natürlichen Lebensräume und die landwirtschaftlich genutzten Flächen, die am stärksten unter den Folgen der Siedlungsausweitung und der Entwicklung des ländlichen Raums leiden. Landwirtschaftliche Böden werden entweder durch die Schaffung von Wohnbauten und Infrastrukturen zerstört oder durch intensive Nutzung geschädigt, was mittelfristig die Bodenfruchtbarkeit gefährdet. Die Bautätigkeit, die seit langem besonders am Rand von Siedlungsgebieten stattfindet, hat auch zu einer starken Zersiedelung des ländlichen Raumes geführt. Experten sind sich einig, dass die unangemessene Bodenbewirtschaftung die Biodiversität, die Landschaftsqualität und die Ernährungssicherheit des Landes schwächt.

Bodenqualität und Lebensqualität

Die Erhaltung von genügend Flächen mit hoher Bodenqualität ist essentiell für die Landwirtschaft, das Wohlergehen der Bevölkerung und die touristische Attraktivität der Schweiz. Böden erbringen wesentliche Dienstleistungen, sie ermöglichen es uns zum Beispiel:

  • lokale und gesunde Lebensmittel anzubauen;
  • genügend sauberes Trinkwasser zu haben;
  • Naturräume wie Wälder, Seeufer und ländliche Gebiete mit reicher Biodiversität zu genießen, die der Entspannung dienen;
  • in Städten mit einem angenehmen Mikroklima zu leben;

Nachhaltige Bodenbewirtschaftung bedeutet daher, unsere Lebensumwelt sowie diejenige von Fauna und Flora zu erhalten.

Effektive Instrumente und eine kohärente Politik

Um eine nachhaltige Bodennutzung zu erreichen, müssen die Rechtsgrundlagen kohärenter werden, gestärkt und vor allem angewendet werden. Das im Jahr 2018 abgeschlossene Nationale Forschungsprogramm 68 "Nachhaltige Nutzung der Bodenressourcen" führte zu fünf Syntheseberichten mit Ergebnissen und Empfehlungen. Als Alternative zu neuen bindenden Normen muss die öffentliche Politik die Berücksichtigung der Bodenqualität bei der Interessenabwägung durch wirksame Instrumente wie den Bodenqualitätsindex erleichtern. Um dies zu erreichen, ist es jedoch notwendig, den Zustand des Bodens und seine Funktionen zu kennen. Diese Aufgabe wird dem zukünftigen "Nationalen Bodenkompetenzzentrum" anvertraut, angesiedelt bei der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL.

sanu durabilitas handelt für eine nachhaltige Bodennutzung

Die Stiftung sanu durabilitas engagiert sich seit mehreren Jahren für einen nachhaltigen Umgang mit Boden. Sie arbeitet sowohl mit Fachleuten der Wissenschaft als auch mit Akteuren der Politik und der Verwaltung zusammen und plädiert dafür die Bodenqualität in Raumplanungsentscheide miteinzubeziehen. Sanu durabilitas hat insbesondere Instrumente zur Lenkung des Bodenverbrauchs zusammengestellt, von Experten bewerten lassen und die Ergebnisse veröffentlicht. Unter ihnen wurde das Instrument "Bodenindex" als relevant und zuverlässig eingestuft, eine Einschätzung, welche die Experten des NFP 68 teilen. Wenn alle Beteiligten den Handlungsbedarf erkennen, gibt es Lösungen. Sie werden Vorteile für die Wirtschaft, die Landwirtschaft, die Umwelt und die Bevölkerung bringen.


Projekte zum Themenbereich Nachhaltige Bodennutzung

Bodenindexpunkte sind ein Instrument, um die Qualität der Böden anhand deren Funktionen zu quantifizieren und in der Raumplanung besser zu berücksichtigen. sanu durabilitas testet dieses Planungsinstrument auf Gemeindeebene zusammen mit öffentlichen und privaten Akteuren im Hinblick auf eine nachhaltige Nutzung der Ressource Boden.


Tagung "Neue Wege für eine nachhaltige Boden- und Landnutzung", organisiert von sanu durabilitas und dem nationalen Forschungsprogramm NFP68, im Oktober 2016. 81 Fachleute aus den Bereichen Raumplanung und Bodenschutz sowie 24 Referierende und Organisatoren nahmen an dieser nationalen Veranstaltung teil.



Publikationen zum Themenbereich Nachhaltige Bodennutzung

«Durabilitas» 2016

Der von Josef Estermann verfasste Bericht wird bereichert durch Gastartikel von René L. Frey, Claude Lüscher, Gerd Wolff und Pierre-Alain Rumley.

 

> Wie sich der Bodenverbrauch stoppen laesst (PDF, 4.17 MB )

durabilitas.doc n°3 | 2016

Die Faktenblätter geben einen Überblick über potentielle, bislang noch nicht oder wenig umgesetzte Instrumente zur Steuerung der Bodennutzung.

 

> 2016 Steuerungsinstrumente der Bodennutzung (PDF, 0.95 MB )



Aktualitäten im Themenbereich Nachhaltige Bodennutzung

"Es braucht neue Ansätze für den Schutz unserer Böden"
Josef Estermann äussert sich zu den ungenügenden Forschritten im Umgang mit der Ressource Boden. Seiner Ansicht nach besteht grosser Handlungsbedarf. Insbesondere brauche es wirksame und praktikable Instrumente, um die Qualität von Böden bei Raumplanungsentscheiden einzubeziehen.

> Zum Interview mit Josef Estermann

 


sanu durabilitas in der Presse für eine nachhaltigere Bodennutzung
In der Wochenzeitschrift Terre et Nature fordert die Stiftung sanu durabilitas eine nachhaltigere Bodenpolitik in der Schweiz. "Der Beobachter ist überrascht, dass es in der Schweiz keine Interessengruppe für den Schutz der Ressource Boden gibt. Einige Akteure könnten von diesem Vorgehen profitieren: Landwirte, die organisches Material in den Böden fixieren, würden Umsetzende der Klimapolitik werden.
> Artikel in « Terre et Nature » lesen (französisch, pdf)



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