Mit Pilotprojekten die Lücke zwischen Theorie und Praxis der nachhaltigen Entwicklung schliessen

sanu durabilitas ist der Einladung des Bundesrats von Ende 2020 gefolgt und hat zum Entwurf der neuen Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 eine Stellungnahme verfasst. Wir begrüssen, dass die Strategie erstmals eine etwas längerfristige Perspektive einnimmt. Allerdings fehlen im Entwurf konkrete Massnahmen, wie die Lücke zwischen Theorie und Praxis geschlossen bzw. wie aus den Bereichen Forschung, Bildung und Innovation vermehrt Wissen in die Praxis einfliessen kann. Die Überlegungen im Entwurf sind zu allgemein gehalten. Ausserdem müssen für den Wissenstransfer in die Praxis entsprechende Förderinstrumente und Mittel bereitgestellt werden.

Die Strategie ist neu auf zehn statt auf nur vier Jahre ausgelegt und versucht, Prioritäten zu setzen und nicht mehr alle Teilbereiche der Nachhaltigkeit gleichzeitig abzudecken. Dies ist eine positive Entwicklung. Allerdings gibt es inhaltliche Defizite: Wir vermissen insbesondere Massnahmen, wie auf dem Weg zur mehr Nachhaltigkeit in der Schweiz die Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schliessen wäre. Anlässlich der Lancierung des White Papers "Priority Themes for Swiss Sustainability Research" hat der Präsident des ETH-Rats Michael Hengartner gefordert, es müssten mehr Pilotprojekte ermöglicht werden, um wissenschaftlich basierte Lösungen schneller in der Praxis auszuprobieren. Wir teilen diese Sichtweise und halten es für zentral für die Entwicklung der Schweiz in Richtung Nachhaltigkeit. Konkrete Massnahmen zur Förderung des Wissenstransfers in die Praxis sowie zur Durchführung von Pilotprojekten müssten daher in der Strategie ausgeführt und zu einer Priorität gemacht werden. Ein Erfolgsfaktor besteht darin, neue partnerschaftliche Formen der Zusammenarbeit zwischen Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, der öffentlichen Hand und der Zivilgesellschaft zu entwickeln und zu fördern.

In Bezug auf die Schwerpunktthemen haben wir insbesondere die folgenden Defizite ausgemacht:

  • Im Schwerpunktthema «Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion» sollte der Notwendigkeit zur besseren Schliessung von Kreisläufen mehr Gewicht beigemessen werden. Dies kann nicht alleine durch Massnahmen zur Information der Konsumenten und Konsumentinnen erreicht werden. Es müssen auch andere Ansätze zur Förderung der Wiederverwendung, der Reparatur, des Unterhalts und des Verzichts verfolgt werden. 
  • Im Schwerpunktthema «Klima, Energie, Biodiversität» kommt die Dringlichkeit eines nachhaltigen Umgangs mit der nicht erneuerbaren Ressource Boden zu wenig zum Ausdruck. In diesem Bereich befindet sich die Schweiz nicht auf einem Pfad der Nachhaltigkeit. Zudem sollte in der Strategie besser auf den Querbezug zum Schwerpunktthema «Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion» eingegangen werden, da unsere Produktions- und Konsummuster einen grossen Einfluss auf die Treibhausgasemissionen und auf die Biodiversität haben.
  • Im Schwerpunktthema «Chancengleichheit» stehen wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit im Zentrum wie die Förderung eines angemessenen Wohnungsangebots für alle Bevölkerungsgruppen. Dabei sollte jedoch spezifisch auf die Herausforderung eingegangen werden, in Zukunft Wohnraum zu schaffen, der das Zusammenleben der verschiedenen Generationen fördert. Nebst der Raumplanung sollte deshalb auch die Ebene der Quartiersplanung sowie die Schaffung von Möglichkeiten zur Partizipation aller Bevölkerungsgruppen angesprochen werden.


Unsere Stellungnahme zur Strategie nachhaltige Entwicklung finden Sie in diesem pdf.

> zum Thema Kreislaufwirtschaft
> zum Thema nachhaltige Bodennutzung

> zum Thema soziale Kohäsion im gesellschaftlichen Wandel