x

Nachhaltiger Umgang mit genetischen Ressourcen

Ob für die Züchtung von Saatgut oder in Forschung und Industrie, die Schweiz nutzt genetische Ressourcen von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Diese Nutzung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant verändert, angefangen bei der traditionellen Züchtung über die Gentechnologie bis hin zur synthetischen Biologie, die ganze Organismen mit spezifischen Eigenschaften neu zusammensetzt. Diese neue Nutzungen gelten als Zukunftstechnologie (zusammengefasst unter dem Begriff «biotechnologische Nutzung»), sind aber gleichzeitig Gegenstand unterschiedlicher Diskussionsarenen, wie zum Beispiel der folgenden:

  • Verlust von Landrassen durch die ständige Ertragssteigerung;
  • Nutzen und Risiken der Gentechnologie;
  • Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich;
  • Patentierung von Lebewesen.

Um eine breite, systematische Diskussion über den nachhaltigen Umgang mit genetischen Ressourcen in der Schweiz zu ermöglichen, hält sanu durabilitas es für wichtig, die oben genannten, bis anhin getrennt geführten Diskurse zusammenführen. Die Arbeitsgruppe vermutet, dass dies gelingen kann, wenn man die verschiedenen Themen auf einen gemeinsamen Bezugspunkt bringt: Während die Diskussionen sich bisher an bestimmten genetischen Ausprägungen, sogenannten Phänotypen («die Monokultur», «das Turboschwein», «Killerviren», «Biopiraterie», «Manipulation menschlicher Embryonen») entzündeten, schlägt sie vor, den Genotypen (die eigentliche genetische Zusammensetzung, das genetische Programm des Organismus) in den Fokus zu rücken. Dies ermöglicht zu erkennen, dass die verschiedenen Diskurse Einiges gemeinsam haben, da es sich bei allen um unterschiedliche Nutzungen von genetischen Ressourcen handelt. Die Nutzungen werden in einer neuen thematischen Struktur transparenter gemacht und neuen Erklärungen, Lösungen und Begründungen in Bezug auf einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource zugeführt.

Ein Anliegen dieser Arbeit ist es aber auch, die sehr dynamische Entwicklung der biotechnologischen Nutzungen von genetischen Ressourcen kritisch zu beleuchten. Dabei untersuchte die Gruppe einerseits, welcher Umgang mit genetischen Ressourcen neue Umweltrisiken und ethische Bedenken aufwirft, die stärker reguliert werden sollten (z.B. die Schaffung von neuen Organismen mittels synthetischer Biologie). Andererseits will sie gesellschaftliche und wirtschaftliche Chancen für die Schweiz identifizieren, die gefördert werden sollten (z.B. die 2010 erfolgte Einführung einer Nischenzulassung für alte und seltene Sorten).


Interessiert?

Das Nachhaltigkeits-Magazin «Durabilitas» bietet Denkanstösse und Handlungsempfehlungen für alle, die sich politisch, administrativ, gesellschaftlich oder wirtschaftlich mit der Nutzung von genetischen Ressourcen auseinandersetzen. Gastbeiträge von Susette Biber-Klemm, Magret Engelhard, Astrid Epiney, Eva Gelinsky, Peter Kunz, Stefanie Rost und François Meienberg ergänzen und vertiefen die Reflexionen.


© 2018 entwickelt von metaphor - intelligente weblösungen